Retatrutide in Deutschland: Zulassungsstand und was die Studien zeigen
Retatrutid ist in Deutschland nicht zugelassen. Was zu Studienlage, Sicherheit und Zulassungsstand des Triple-Agonisten bisher bekannt ist.
Dieser Artikel dient der neutralen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Wirkstoffe und Präparate sind verschreibungspflichtig oder befinden sich teilweise noch in klinischer Entwicklung. Dosiva spricht keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel aus. Ob und welche Therapie geeignet ist, muss individuell ärztlich entschieden werden.
Retatrutide ist in Deutschland nicht zugelassen, ein Zugang über Arzt und Apotheke ist derzeit nicht möglich.
Retatrutide wird in Studien untersucht und in Medien viel diskutiert. Dieser Beitrag ordnet ein, was die bisherige Studienlage zeigt, welche Nebenwirkungen berichtet wurden und wie der Zulassungsstand in Deutschland ist.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Retatrutide ist in Deutschland nicht zugelassen. Alle genannten Milligramm-Angaben sind ausschließlich die in klinischen Studien untersuchten Dosierungen und ausdrücklich keine Anwendungs- oder Dosierungsempfehlung. Dieser Artikel referiert nur die Studienlage. Dosiva gibt keine individuellen Therapieempfehlungen.
Was ist Retatrutide?
Retatrutide (Entwicklungsname LY3437943) ist ein sogenannter Triple-Agonist, entwickelt vom Pharmaunternehmen Eli Lilly. Es stimuliert gleichzeitig drei Rezeptoren: GLP-1, GIP und Glucagon. Bekannte Wirkstoffe wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy) wirken nur an einem Rezeptor, Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound) an zweien. Retatrutide ergänzt diesen Mechanismus um die Glucagon-Komponente, die in der Forschung unter anderem mit einem erhöhten Energieverbrauch in Verbindung gebracht wird.
Was zeigen die bisherigen Studien?
Zu Retatrutide liegen Daten aus einer Phase-2-Studie sowie aus dem Phase-3-Programm (TRIUMPH und TRANSCEND) vor. Die folgenden Werte stammen aus den jeweiligen Studienpublikationen und Mitteilungen des Herstellers. Sie beschreiben Studienergebnisse in untersuchten Patientengruppen und sind keine Aussage über den Einzelfall.
- Phase 2 (2023): In einer doppelblinden Studie mit 338 Teilnehmenden ohne Diabetes wurden dosisabhängige Gewichtsverluste berichtet, in der höchsten untersuchten Dosis im Bereich von rund 17 Prozent nach 24 Wochen und bis etwa 24 Prozent nach 48 Wochen. Das Sicherheitsprofil ähnelte dem anderer Wirkstoffe dieser Klasse.
- TRIUMPH-1 (Phase 3, Adipositas ohne Diabetes): In den höchsten untersuchten Studien-Dosen wurden mittlere Gewichtsverluste bis in den Bereich von etwa 28 Prozent über rund 80 Wochen berichtet. Begleitend besserten sich Parameter wie Blutdruck und Blutfettwerte.
- TRIUMPH-4 (Phase 3, Adipositas mit Kniegelenkbeschwerden): Hier wurden mittlere Gewichtsverluste bis etwa 28,7 Prozent berichtet, gegenüber rund 2 Prozent unter Placebo.
- TRANSCEND-T2D-1 (Phase 3, Typ-2-Diabetes): Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wurde neben der Gewichtsreduktion eine Senkung des Langzeitblutzuckers (HbA1c) um bis zu etwa 2 Prozentpunkte berichtet.
In dieser Größenordnung wurden Gewichtsverluste bisher vor allem durch Magenoperationen erreicht. Was solche Studienwerte im Einzelfall bedeuten würden, ließe sich nur ärztlich beurteilen.
Höchste berichtete Werte aus den jeweiligen Studien
Quelle: Retatrutide: TRIUMPH-4 (bis zu 28,7 %, Stand Ende 2025). Vergleichswerte laut Studien: Semaglutid etwa 15 %, Tirzepatid etwa 20 %. Werte aus unterschiedlichen Studien (Dosis und Dauer abweichend), nur eingeschränkt vergleichbar.
Nebenwirkungen in den Studien
Das in den Studien berichtete Nebenwirkungsprofil ähnelt dem anderer Wirkstoffe dieser Klasse, mit tendenziell etwas höheren Raten. Am häufigsten waren Magen-Darm-Beschwerden, vor allem während der schrittweisen Dosissteigerung:
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung, mit dosisabhängig steigender Häufigkeit.
- Missempfindungen wie Kribbeln (Dysästhesien) wurden in den höheren Studien-Dosen bei einem kleinen Teil der Teilnehmenden beobachtet.
- Ein dosisabhängiger, meist leichter Anstieg der Herzfrequenz wurde berichtet.
- Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen nahmen mit der Dosis zu.
Schwere Ereignisse wie Pankreatitis waren in den bisherigen Studien selten. Wichtig ist: Es handelt sich um Daten aus laufenden bzw. kürzlich abgeschlossenen Studien; belastbare Langzeitdaten über mehrere Jahre fehlen noch.
Einordnung gegenüber GLP-1-Wirkstoffen und Tirzepatid
| Wirkstoff | Wirkprinzip | In Studien berichteter Gewichtsverlust | Zulassungsstatus (DE/EU) |
|---|---|---|---|
| Semaglutid (Ozempic, Wegovy) | GLP-1 | etwa 15 % (Adipositas, STEP-1) | zugelassen |
| Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound) | GLP-1 + GIP | etwa 20–22 % (SURMOUNT-1) | zugelassen |
| Retatrutide (LY3437943) | GLP-1 + GIP + Glucagon | bis ~28 % (TRIUMPH, Studien-Dosen) | nicht zugelassen (in Entwicklung) |
Ein direkter Kopf-an-Kopf-Vergleich von Retatrutide mit Tirzepatid oder Semaglutid innerhalb derselben Studie liegt bislang nicht vor. Die Werte stammen aus getrennten Studien mit unterschiedlichen Kollektiven und sind daher nur eingeschränkt vergleichbar.
Wann kommt die Zulassung?
Retatrutide ist aktuell noch nicht zugelassen, weder in den USA noch in Europa. Die Zulassung durch die US-Behörde FDA wird je nach Quelle ab etwa 2027/2028 erwartet; die europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft typischerweise einige Monate später. In Deutschland wäre eine Zulassung damit frühestens 2027, realistischer 2028 oder später zu erwarten. Nach einer zentralen EU-Zulassung übernimmt in Deutschland das BfArM die weitere Überwachung. Verbindliche Termine gibt es nicht; die genannten Zeitpunkte sind Einschätzungen.
Was bedeutet das für Patienten in Deutschland?
Wer jetzt auf Retatrutide hofft, muss sich gedulden. Ein offizieller Zugang über Arzt und Apotheke ist in Deutschland derzeit nicht möglich. Es gibt Online-Anbieter, die das Mittel als „Research Chemical“ verkaufen, davon rät Dosiva ausdrücklich ab. Solche nicht zugelassenen Substanzen aus dem Internet sind weder auf Identität noch auf Reinheit oder Dosierung geprüft, können verunreinigt oder falsch dosiert sein und stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Der Bezug nicht zugelassener Arzneimittel ist zudem rechtlich problematisch.
Sollte Retatrutide künftig zugelassen werden, ist davon auszugehen, dass es, ähnlich wie Wegovy, als Mittel zur Gewichtsreduktion eingestuft und in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird. Über Voraussetzungen und Eignung würde dann die ärztliche Beratung entscheiden.
Das Fazit
Retatrutide zeigt in den bisherigen Studien hohe Werte beim Gewichtsverlust, ist in Deutschland aber nicht zugelassen, und es fehlen Langzeitdaten zur Sicherheit. Bis zu einer möglichen Zulassung vergehen voraussichtlich noch mehrere Jahre. Wer heute Unterstützung bei der Gewichtsreduktion sucht, sollte mit einer Ärztin oder einem Arzt über die bereits zugelassenen Optionen sprechen.
Quellen
- Jastreboff, A. M., Kaplan, L. M., Frías, J. P., Wu, Q., Du, Y., Gurbuz, S., Coskun, T., Haupt, A., Milicevic, Z., & Hartman, M. L. (2023). Triple-hormone-receptor agonist retatrutide for obesity – A phase 2 trial. New England Journal of Medicine, 389(6), 514–526. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2301972
- Rosenstock, J., Frias, J., Jastreboff, A. M., Du, Y., Lou, J., Gurbuz, S., Thomas, M. K., Hartman, M. L., Haupt, A., Milicevic, Z., & Coskun, T. (2023). Retatrutide, a GIP, GLP-1 and glucagon receptor agonist, for people with type 2 diabetes: A randomised, double-blind, placebo- and active-controlled, parallel-group, phase 2 trial. The Lancet, 402(10401), 529–544. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01053-X
- Eli Lilly and Company. (2025). Phase-3-Ergebnisse zum TRIUMPH-Studienprogramm mit Retatrutide [Pressemitteilung]. https://investor.lilly.com
- Europäische Arzneimittel-Agentur. (2025). Medicines under evaluation / Glossary: Centralised procedure. https://www.ema.europa.eu
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (2025). Arzneimittelzulassung in Deutschland und Europa. https://www.bfarm.de
Kein Medizinprodukt. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung.