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Mounjaro, Ozempic und Wegovy: Unterschiede in Zulassung, Wirkstoffklasse und Studienlage

Mounjaro, Ozempic und Wegovy im Überblick: Zulassung, Wirkstoffklasse und Datenlage aus einer BMJ-Netzwerkmetaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmenden.

Dieser Artikel dient der neutralen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Wirkstoffe und Präparate sind verschreibungspflichtig oder befinden sich teilweise noch in klinischer Entwicklung. Dosiva spricht keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel aus. Ob und welche Therapie geeignet ist, muss individuell ärztlich entschieden werden.

Mounjaro, Ozempic und Wegovy: Unterschiede in Zulassung, Wirkstoffklasse und Studienlage
Symbolbild (KI-generiert)
Die größte Gewichtsreduktion und der beste Herz-Kreislauf-Schutz stammen in dieser Analyse nicht vom selben Wirkstoff.

Der Markt für GLP-1-basierte Medikamente zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes wächst rasant. Mounjaro, Ozempic und Wegovy unterscheiden sich in Wirkstoff, Wirkstoffklasse und Zulassung. Eine im Juli 2026 im BMJ veröffentlichte Netzwerkmetaanalyse hat erstmals fast alle zugelassenen und in Prüfung befindlichen Adipositas-Medikamente direkt gegeneinander verglichen. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Wirkstoffe anhand dieser und weiterer Studien sachlich ein, ohne Werbung und ohne Empfehlung für ein bestimmtes Präparat.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle genannten Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig. Über Nutzen und Risiken einer Behandlung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was die BMJ-Netzwerkmetaanalyse verglichen hat
  2. Semaglutid: Der bekannteste Vertreter
  3. Tirzepatid: Der duale Ansatz
  4. Wirksamkeit gegen Herz-Kreislauf-Schutz: kein Wirkstoff gewinnt beides
  5. Neue Kandidaten: Retatrutid, Survodutid, Orforglipron und mehr
  6. Grenzen der Studie
  7. Welche Faktoren unterscheiden die Präparate?
  8. Fazit

Was die BMJ-Netzwerkmetaanalyse verglichen hat

Am 8. Juli 2026 veröffentlichte das BMJ eine Netzwerkmetaanalyse, die 262 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 99.791 Teilnehmenden auswertete und 19 verschiedene Wirkstoffe zur Gewichtsreduktion gegenüberstellte, darunter zugelassene und in Prüfung befindliche Präparate (Nong et al., 2026). Die Nachbeobachtungszeit der eingeschlossenen Studien reichte von 12 bis 172 Wochen.

Eine Netzwerkmetaanalyse erlaubt es, Wirkstoffe auch dann miteinander zu vergleichen, wenn sie nie in derselben Studie direkt gegeneinander getestet wurden. Das macht sie zur bislang umfassendsten verfügbaren Vergleichsgrundlage für diese Medikamentenklasse.

Semaglutid: Der bekannteste Vertreter

Semaglutid ist der Wirkstoff hinter den Markennamen Ozempic (zugelassen für Typ-2-Diabetes) und Wegovy (zugelassen zur Gewichtsreduktion). Als GLP-1-Rezeptoragonist ahmt er das körpereigene Hormon GLP-1 nach, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Die Wirkung: verlangsamte Magenentleerung, gesteigertes Sättigungsgefühl und eine verbesserte Blutzuckerregulation.

In der BMJ-Analyse erreichte subkutanes Semaglutid nach einem Jahr eine Gewichtsreduktion von 9,8 % gegenüber Lebensstiländerung allein, orales Semaglutid 10,9 % (Nong et al., 2026). Bei der Gewichtsreduktion liegt Semaglutid damit hinter Tirzepatid, bei den kardiovaskulären Endpunkten schneidet es in der Analyse jedoch als einziger Wirkstoff mit einer Senkung der Gesamtmortalität ab, siehe Abschnitt vier.

Die Dosierung wird schrittweise gesteigert: Bei Ozempic beginnt man typischerweise mit 0,25 mg pro Woche und steigert über Wochen auf die Zieldosis. Diese Einschleichphase ist wichtig, um gastrointestinale Nebenwirkungen, vor allem Übelkeit, zu minimieren.

Tirzepatid: Der duale Ansatz

Tirzepatid, der Wirkstoff in Mounjaro, geht einen Schritt weiter: Er aktiviert nicht nur den GLP-1-Rezeptor, sondern auch den GIP-Rezeptor. Dieser duale Mechanismus führte in der BMJ-Analyse zur stärksten Gewichtsreduktion unter den Wirkstoffen mit hoher Evidenzsicherheit, minus 14,9 % nach einem Jahr (Nong et al., 2026).

Dieser Effekt hat eine Kehrseite, die in Marketingtexten selten erwähnt wird: Tirzepatid zeigte in derselben Analyse zugleich den größten Verlust an fettfreier Masse, 8,3 % des Körpergewichts. Ein Teil des verlorenen Gewichts ist also nicht Fettmasse. Was das für die einzelne Person bedeutet, hängt von Ausgangszustand, Alter und Bewegungsverhalten ab und gehört ins Arztgespräch.

Mounjaro wird in sechs Dosisstufen angeboten (2,5 mg bis 15 mg), was eine besonders feingliedrige Titration ermöglicht. Die Startdosis von 2,5 mg dient ausschließlich der Eingewöhnung und ist noch nicht die therapeutisch wirksame Dosis.

Wirksamkeit gegen Herz-Kreislauf-Schutz: kein Wirkstoff gewinnt beides

Der auffälligste Befund der BMJ-Analyse betrifft nicht die Gewichtsreduktion, sondern die Herz-Kreislauf-Endpunkte. Nur subkutanes Semaglutid war mit einer reduzierten Gesamtmortalität (minus 19 %), einem geringeren Herzinfarktrisiko (minus 28 %) und einem um 57 % gesenkten Risiko für eine Herzinsuffizienz assoziiert. Tirzepatid senkte das Herzinsuffizienzrisiko um 51 %, ohne den Effekt auf die Gesamtmortalität zu erreichen (Nong et al., 2026).

Bei keinem der untersuchten Wirkstoffe zeigte sich eine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität, und keiner beeinflusste das Risiko für ein Nierenversagen. Die höchsten Abbruchraten wegen Nebenwirkungen verzeichneten Orforglipron, die Kombination aus Naltrexon und Bupropion, Liraglutid, Phentermin-Topiramat, CagriSema und orales Semaglutid.

Das Ergebnis lässt sich nicht auf eine einzige Rangfolge verkürzen. Wer allein auf die Zahl auf der Waage schaut, kommt zu einer anderen Einschätzung als wer den Herz-Kreislauf-Schutz gewichtet.

Neue Kandidaten: Retatrutid, Survodutid, Orforglipron und mehr

Die Pipeline ist gut gefüllt. In der BMJ-Analyse erreichten neuere Wirkstoffe wie Retatrutid, Ecnoglutid und Mazdutid rechnerisch ähnliche oder sogar größere Effekte auf das Körpergewicht, zwischen 13,1 % und 14,6 % (Nong et al., 2026). Die Autorinnen und Autoren stufen diese Werte jedoch ausdrücklich nur mit sehr niedriger bis niedriger Evidenzsicherheit ein und warnen vor Überinterpretation. Es lässt sich aus der Analyse kein belastbares Ranking dieser Kandidaten gegenüber Tirzepatid oder Semaglutid ableiten.

Survodutid ist ein GLP-1/Glukagon-Co-Agonist in Phase-3-Studien, der neben Gewichtsreduktion auch bei metabolisch assoziierter Steatohepatitis untersucht wird. Cagrilintid, ein Amylin-Analogon, wird in Kombination mit Semaglutid als CagriSema getestet. Orforglipron ist ein oraler, nicht-peptidischer GLP-1-Rezeptoragonist, der in der BMJ-Analyse eine Gewichtsreduktion von 9,9 % erreichte, zugleich aber zu den Wirkstoffen mit den höchsten Abbruchraten gehörte.

Diese Kandidaten befinden sich noch in klinischer Prüfung und sind nicht zugelassen. Wirksamkeit und Sicherheitsprofil müssen sich erst in abschließenden Studien mit längerer Nachbeobachtung bestätigen, bevor sie regulär verschrieben werden können.

Grenzen der Studie

Die Autorinnen und Autoren benennen mehrere Einschränkungen selbst. Die meisten eingeschlossenen Studien beobachteten die Teilnehmenden nur kurz, lediglich wenige liefen über zwei Jahre hinaus. Viele der zugrunde liegenden Studien waren ursprünglich nicht darauf ausgelegt, kardiovaskuläre Endpunkte zu erfassen. Bei neueren Wirkstoffen wie Retatrutid ist die Datenlage dünn und uneinheitlich. Ob die Effekte nach dem Absetzen der Medikamente anhalten, lässt sich aus der Analyse nicht beantworten, und die Studienpopulationen bilden den klinischen Alltag möglicherweise nicht vollständig ab.

Welche Faktoren unterscheiden die Präparate?

Die zugelassenen Wirkstoffe unterscheiden sich in mehreren sachlichen Punkten: in der Indikation (Typ-2-Diabetes, Adipositas oder beides), in der Wirkstoffklasse, im Zulassungsstand, im Nebenwirkungsprofil und in der Verfügbarkeit. Es gibt kein universell bestes Medikament. Welches Präparat geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand individueller Faktoren, einschließlich der Frage, ob Gewichtsreduktion oder Herz-Kreislauf-Schutz im Vordergrund steht.

Eines ist allen zugelassenen GLP-1-Medikamenten gemeinsam: Sie sind verschreibungspflichtig, erfordern eine ärztliche Begleitung und wirken am besten als Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts, das Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen einschließt.

Fazit

Die BMJ-Netzwerkmetaanalyse liefert die bislang umfassendste direkte Vergleichsgrundlage für Adipositas-Medikamente, und sie widerlegt die Vorstellung eines einzelnen „besten” Präparats. Tirzepatid führt bei der Gewichtsreduktion, verliert dabei aber verhältnismäßig viel fettfreie Masse. Semaglutid fällt bei der Gewichtsreduktion zurück, zeigt aber als einziger untersuchter Wirkstoff eine Senkung der Gesamtmortalität. Neuere Kandidaten wie Retatrutid wecken Erwartungen, die die vorhandene Evidenz noch nicht mit hoher Sicherheit stützt. Welcher Wirkstoff im Einzelfall sinnvoll ist, bleibt eine ärztliche Entscheidung.

Über Dosiva

Auf dieser Webseite schreiben wir über GLP-1-Medikamente, Peptide und die Behandlung der Adipositas. Wir ordnen Studien ein, benennen Grenzen und Unsicherheiten und trennen die Studienlage sichtbar von unserer eigenen Haltung. Wir verkaufen nichts und empfehlen keine Präparate. Lies hier mehr über uns.

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Quellenverzeichnis

  1. Nong, K., Guyatt, G. H., Khunti, K., Le Roux, C. W., Vandvik, P. O., Li, S., et al. (2026). Comparative effects of drugs for adults with overweight or obesity: Systematic review and network meta-analysis. BMJ, 394, e372161. https://doi.org/10.1136/bmj-2026-372161

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