Anwendung & Alltag

Woran erkennt man gefälschte Abnehmspritzen?

Behörden haben mehrfach vor gefälschten Semaglutid-Pens gewarnt, auch in Deutschland. Woran sich Fälschungen laut BfArM, EMA und WHO erkennen lassen, wie Apotheken Packungen prüfen und was im Verdachtsfall zu tun ist.

Hinweis: Dieser Artikel dient der neutralen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Wirkstoffe und Präparate sind verschreibungspflichtig oder befinden sich teilweise noch in klinischer Entwicklung. Dosiva spricht keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel aus. Ob und welche Therapie geeignet ist, muss individuell ärztlich entschieden werden.

Woran erkennt man gefälschte Abnehmspritzen?
Symbolbild (KI-generiert)

Am 29. September 2026 sagte der britische Labour-Abgeordnete und Arzt Zubir Ahmed auf dem Parteitag seiner Partei, ein Markt für gefälschte Abnehmmedikamente sei unvermeidlich, solange der staatliche Gesundheitsdienst NHS die Mittel nicht breit und kostenlos verordne. Das berichtet das Pharmaceutical Journal. In Deutschland sind gefälschte Semaglutid-Pens bereits aufgetaucht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Alle genannten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig. Über Nutzen und Risiken einer Behandlung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Dosiva gibt keine individuellen Therapieempfehlungen und keine Bezugsempfehlungen. Alle Angaben beziehen sich auf den 30. September 2026.

Was in Deutschland und der EU bekannt ist

Am 5. Oktober 2023 warnte das Regierungspräsidium Freiburg vor gefälschten Ozempic-Pens in deutscher Aufmachung, kurz darauf übernahm das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Koordination. Gefunden wurden Packungen der Stärke 1 mg beim Großhandel. Das amtliche Untersuchungslabor CVUA Karlsruhe stellte in den Pens Insulin statt Semaglutid fest. Das BfArM sprach von einer erheblichen Gesundheitsgefährdung.

Nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vom 18. Oktober 2023 stammten die Pens mit deutschen Etiketten von Großhändlern in Österreich und Deutschland und gelangten an Großhändler in der EU und in Großbritannien. Beim Scannen zeigten sich die Seriennummern als inaktiv, so fiel die Fälschung auf. In Österreich erreichten gefälschte Pens laut BfArM Patientinnen und Patienten, für Deutschland lagen keine solchen Hinweise vor. Am 15. Februar 2024 hob das BfArM seine Empfehlung an die Apotheken auf, jede Ozempic-Packung vor der Abgabe zu öffnen und zu prüfen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte am 20. Juni 2024 vor gefälschten Ozempic-Chargen aus Brasilien, Großbritannien und den USA und verzeichnet seit 2022 weltweit mehr solcher Meldungen. Am 3. September 2025 warnten die EMA und das Netzwerk der nationalen Arzneimittelbehörden (HMA) vor einem starken Anstieg illegaler Produkte, die als Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid verkauft werden, beworben über Hunderte gefälschte Facebook-Profile, Anzeigen und Shop-Einträge, oft mit missbrauchten Behördenlogos. Solche Produkte enthalten laut EMA womöglich gar nicht den angegebenen Wirkstoff und unter Umständen schädliche Mengen anderer Substanzen.

Aus Großbritannien meldete die Arzneimittelbehörde MHRA am 24. Februar 2026 gefälschte Mounjaro-Pens der Stärke 15 mg aus einer Online-Apotheke. Sie fielen auf, weil sich bei fast allen der Dosierknopf während der Anwendung löste.

Wie Apotheken Packungen prüfen

Seit dem 9. Februar 2019 tragen nahezu alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel in der EU zwei Sicherheitsmerkmale: einen Erstöffnungsschutz, an dem sich erkennen lässt, ob die Faltschachtel unversehrt ist, und einen Data-Matrix-Code mit Produktcode, Seriennummer, Charge und Verfalldatum. In Deutschland stellt der Verein securPharm das System bereit, über das Apotheken jede Packung vor der Abgabe auf Echtheit prüfen. Wird ein Code ein zweites Mal ausgebucht, schlägt das System Alarm.

Laut BfArM ist die Zahl der entdeckten Fälschungen in der legalen Lieferkette, also etwa in öffentlichen Apotheken, insgesamt sehr gering. Ein Pen aus einem Onlineshop ohne Erlaubnis oder aus einer Anzeige in sozialen Netzwerken durchläuft diese Prüfung nie.

Warnzeichen

  • Ein Angebot verlangt kein ärztliches Rezept, obwohl GLP-1-Wirkstoffe in Deutschland verschreibungspflichtig sind.
  • Der Preis liegt weit unter dem Marktüblichen, oder es locken Mengenrabatte und Probepackungen.
  • Die Website zeigt kein EU-Sicherheitslogo, oder der Klick darauf führt nicht zu einem Eintrag im Register des BfArM.
  • Ein Produkt wirbt mit dem Logo des BfArM oder einer angeblichen Zertifizierung. Das BfArM wirbt weder für Produkte noch für Anbieter.
  • Die Lieferung kommt ohne Originalschachtel, oder der Erstöffnungsschutz ist beschädigt.
  • Der Pen weicht vom Original ab. Bei den gefälschten Ozempic-Pens von 2023 stimmten die Farben nicht, und der Dosiswähler ragte beim Einstellen über den Pen hinaus. Das Original zeigt laut BfArM eine klare Lösung in einem Sichtfenster ohne Skala und die Dosis in Milligramm.
  • Die Mechanik funktioniert nicht richtig, etwa weil sich der Dosierknopf löst.

Risiken beim Online-Kauf

Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen in Deutschland im Versand nur Apotheken abgeben. Jede Apotheke mit Versanderlaubnis steht im Versandhandels-Register des BfArM und muss auf ihrer Website das EU-Sicherheitslogo zeigen. Das BfArM rät zu drei Schritten: auf das Logo klicken, prüfen, dass die Adresse des Registereintrags mit „https://versandhandel.dimdi.de/“ beginnt, und den Shop danach über den Link im Register erneut öffnen. Für sich allein hat das Logo laut BfArM keine Aussagekraft, manche Anbieter zeigen es unerlaubt.

Dazu kommt der Preis. Die gesetzlichen Kassen erstatten Mittel zur Gewichtsregulierung in der Regel nicht, günstige Angebote im Netz wirken entsprechend verlockend. Preise weit unter dem Marktüblichen nennt das BfArM ausdrücklich als Warnsignal. Wie ein seriöser Bezugsweg mit Rezept aussieht, beschreibt unser Artikel zur Warnung der Apothekerschaft vor Online-Vorbestellungen, die Risiken sogenannter Forschungspeptide der Beitrag über bakteriostatisches Wasser.

Was im Verdachtsfall zu tun ist

Einen verdächtigen Pen sollte man nicht benutzen, rät die EMA. Das BfArM empfiehlt, mit der Packung in eine Apotheke zu gehen, die die Echtheit prüfen und weitere Schritte veranlassen kann. Packung, Chargenbezeichnung und Bestellbeleg gehören aufbewahrt. Eine ungewohnte Optik muss allerdings keine Fälschung bedeuten. Vom Mounjaro-KwikPen sind laut einer Mitteilung der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker vom 20. Januar 2026 übergangsweise zwei Ausführungen im Handel, bei der neuen bleibt nach der vierten Dosis kein sichtbarer Rest im Pen.

Wer einen verdächtigen Pen schon benutzt hat, sollte zeitnah die Ärztin oder den Arzt informieren, bei akuten Beschwerden den Notruf 112. Nebenwirkungen können Patientinnen und Patienten selbst über nebenwirkungen.bund.de melden, das Portal von BfArM und Paul-Ehrlich-Institut. Zweifelhafte Online-Angebote nehmen Polizei und Staatsanwaltschaft entgegen, außerdem das BfArM per E-Mail an versandhandel@bfarm.de, das sie an das Zollkriminalamt weiterleitet.

Quellen

Kein Medizinprodukt. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung.