Therapie & Medizin
Was nach dem Absetzen von Semaglutid und Tirzepatid mit dem Gewicht passiert
Wer Semaglutid oder Tirzepatid absetzt, nimmt in Studien einen großen Teil wieder zu. Was die Absetzstudien, die erste Studie zu einer niedrigeren Erhaltungsdosis und die Leitlinien zur Dauer der Behandlung sagen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der neutralen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Wirkstoffe und Präparate sind verschreibungspflichtig oder befinden sich teilweise noch in klinischer Entwicklung. Dosiva spricht keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel aus. Ob und welche Therapie geeignet ist, muss individuell ärztlich entschieden werden.
Die meisten Studien beantworten, was nach dem Absetzen passiert. Wie man gut aufhört, hat kaum jemand untersucht.
„Muss ich das jetzt ein Leben lang spritzen?“ Diese Frage steht in den Foren unter fast jedem Erfolgsbericht. Oft steckt der Kontostand dahinter: Wer selbst zahlt, rechnet irgendwann aus, was ein zweites und drittes Jahr kostet. Für die Antwort gibt es inzwischen mehrere große Studien. Sie sagen recht klar, was nach dem Absetzen passiert. Wie man am besten aufhört, ist dagegen kaum untersucht.
Was nach dem Absetzen passiert
In der Studie STEP 1 hatten Teilnehmende mit Semaglutid 2,4 mg in 68 Wochen im Mittel 17,3 Prozent ihres Gewichts verloren. Danach endeten Medikament und Lebensstilprogramm. Ein Jahr später waren im Mittel zwei Drittel des verlorenen Gewichts zurück, Blutdruck und andere Werte lagen wieder nahe am Ausgangsniveau.
SURMOUNT-4 hat dasselbe für Tirzepatid geprüft, diesmal mit Zufallszuteilung. Nach 36 Wochen Behandlung wechselte die Hälfte verblindet auf ein Scheinmedikament. Im folgenden Jahr nahm diese Gruppe 14 Prozent zu, während die weiterbehandelte Gruppe noch 5,5 Prozent verlor.
Eine Übersichtsarbeit im BMJ vom Januar 2026 hat 37 Studien zusammengeführt. Für Semaglutid und Tirzepatid kommt sie auf eine Wiederzunahme von etwa 0,8 Kilogramm im Monat und rechnet hoch, dass das Ausgangsgewicht nach rund anderthalb Jahren erreicht ist. Die Hochrechnung reicht allerdings über die Daten hinaus, die meisten Studien beobachteten höchstens ein Jahr.
Was eine niedrigere Dosis bringt
SURMOUNT-MAINTAIN, im Mai 2026 im Lancet veröffentlicht, ist die erste randomisierte Studie zu einer reduzierten Erhaltungsdosis. Alle 378 Teilnehmenden hatten zuvor 60 Wochen Tirzepatid in der höchsten vertragenen Dosis bekommen. Danach blieb ein Teil dabei, ein Teil ging auf 5 Milligramm, ein Teil auf ein Scheinmedikament.
Nach insgesamt 112 Wochen lag die Abnahme bei 21,9 Prozent mit voller Dosis, 16,6 Prozent mit 5 Milligramm und 9,9 Prozent mit Scheinmedikament. Wer ab Woche 84 mehr als die Hälfte der Abnahme wieder zugenommen hatte, bekam erneut Tirzepatid. Das betraf ein Viertel der 5-Milligramm-Gruppe und zwei Drittel der Placebogruppe. Die Autoren nennen die niedrige Dosis eine mögliche Alternative zum Absetzen, betonen aber, dass Menschen unterschiedlich ansprechen.
Für Semaglutid gibt es keine vergleichbare Studie. Zum schrittweisen Ausschleichen liegen nur Kongressdaten eines dänischen Anbieters vor, mit wenigen Dutzend Menschen und ohne Vergleichsgruppe.
Wie viele überhaupt dabeibleiben
In Dänemark, wo Semaglutid gegen Adipositas weit verbreitet ist, hat eine landesweite Registerstudie fast 158.000 Menschen ausgewertet. Knapp die Hälfte hatte die Behandlung nach zwölf Monaten beendet, junge Erwachsene und Menschen aus ärmeren Gemeinden häufiger. Etwa jeder Vierte fing später wieder an.
Was Leitlinien zur Dauer sagen
- Deutsche S3-Leitlinie Adipositas (2024): Laut Zulassung gibt es keine Beschränkung der Therapiedauer. Medikamente können zum Halten einer erreichten Abnahme eingesetzt werden, der Erfolg soll regelmäßig überprüft werden.
- Amerikanische Diabetes-Gesellschaft ADA (2026): Behandlung über das Erreichen der Ziele hinaus fortsetzen, die beste Erhaltungsdosis muss nicht die höchste zugelassene sein.
- Weltgesundheitsorganisation (Dezember 2025): GLP-1-Medikamente können als Langzeitbehandlung eingesetzt werden. Zum Absetzen und zu Erhaltungsdosen gibt die WHO ausdrücklich keine Empfehlung, weil Daten fehlen.
Was du mit diesen Zahlen anfangen kannst
Alle großen Absetzstudien wurden von den Herstellern bezahlt. Sie haben vorab Menschen ausgewählt, die das Medikament gut vertragen und gut darauf angesprochen haben. Wie es Menschen mit schwächerem Verlauf nach dem Absetzen geht, zeigen sie nur begrenzt.
Trotzdem ist die Richtung eindeutig genug, um das Ende der Behandlung zu planen, bevor es durch Kosten oder Lieferprobleme erzwungen wird. Sprich mit deiner Praxis darüber, wie lange die Behandlung laufen soll, welche Dosis in der Erhaltung infrage kommt und wie Gewicht und Blutwerte danach kontrolliert werden. Die passenden Fragen stehen in unserem Werkzeug Fragen für das Arztgespräch, was eine längere Erhaltungsphase kostet, rechnest du im Therapiekosten-Rechner mit eigenen Beträgen aus. Was beim Absetzen im Alltag hilft, steht im Artikel GLP-1-Therapie absetzen.
Quellen
- Wilding JPH et al.: Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension, Diabetes, Obesity and Metabolism, 2022
- Aronne LJ et al.: Continued Treatment With Tirzepatide for Maintenance of Weight Reduction in Adults With Obesity: The SURMOUNT-4 Randomized Clinical Trial, JAMA, 2024
- Horn DB et al.: Auswertung zu SURMOUNT-4 nach Grad der Wiederzunahme, JAMA Internal Medicine, 2026
- West et al.: Systematische Übersicht und Metaanalyse zur Gewichtszunahme nach Ende einer Abnehmbehandlung, BMJ, 7. Januar 2026
- Horn DB et al.: SURMOUNT-MAINTAIN, Studienergebnisse, The Lancet, online 12. Mai 2026
- Mailhac et al.: Landesweite Registerstudie zum Abbruch von Semaglutid gegen Adipositas in Dänemark, JAMA Network Open, 2026
- AWMF: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, Version 5.0, Oktober 2024
- American Diabetes Association: Standards of Care in Diabetes 2026, Abschnitt 8, Diabetes Care, 2026
- WHO: Leitlinie zu GLP-1-Medikamenten bei Adipositas, 1. Dezember 2025
Kein Medizinprodukt. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung.