Therapie & Medizin

Tirzepatid bei Psoriasis: Verbessert Gewichtsabnahme die Wirkung der Psoriasistherapie?

Die TOGETHER-PsO-Studie kombinierte Ixekizumab mit Tirzepatid. Was die Ergebnisse nach 36 Wochen zeigen und welche Grenzen die Studie hat.

Dieser Artikel dient der neutralen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die genannten Wirkstoffe und Präparate sind verschreibungspflichtig oder befinden sich teilweise noch in klinischer Entwicklung. Dosiva spricht keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel aus. Ob und welche Therapie geeignet ist, muss individuell ärztlich entschieden werden.

Tirzepatid bei Psoriasis: Verbessert Gewichtsabnahme die Wirkung der Psoriasistherapie?
Symbolbild (KI-generiert)
Die Studie zeigt, dass sich mit zwei Medikamenten zwei Ziele gleichzeitig erreichen lassen. Sie beantwortet nicht, ob die Gewichtsabnahme die Haut verbessert hat.

Menschen mit Schuppenflechte haben häufiger Übergewicht als Menschen ohne Schuppenflechte, und wer schwerer ist, spricht im Schnitt schlechter auf die Behandlung an. Aus diesem Zusammenhang ergibt sich eine naheliegende Frage: Was passiert, wenn man beides gleichzeitig behandelt? Eine im Mai 2026 veröffentlichte Studie hat genau das geprüft und einen Antikörper gegen Psoriasis mit einem Medikament zur Gewichtsreduktion kombiniert. Dieser Beitrag ordnet die Ergebnisse ein und benennt, was sie zeigen und was nicht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ixekizumab und Tirzepatid sind verschreibungspflichtig. Tirzepatid ist zur Behandlung der Psoriasis nicht zugelassen. Alle genannten Ergebnisse beziehen sich auf die untersuchte Studiengruppe und sind keine Therapieempfehlung für den Einzelfall. Über Nutzen und Risiken einer Behandlung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Dosiva gibt keine individuellen Therapieempfehlungen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum Psoriasis und Adipositas häufig zusammen auftreten
  2. Was der PASI misst und was PASI 75, 90 und 100 bedeuten
  3. Wie die TOGETHER-PsO-Studie aufgebaut war
  4. Ergebnisse zu Hautbefund und Körpergewicht nach 36 Wochen
  5. Nebenwirkungen der Kombination
  6. Wer die Studie finanziert hat
  7. Was die Studie nicht zeigt
  8. Warum der Verlust an Muskelmasse zur Sprache gehört
  9. Kostenübernahme bei Tirzepatid zur Gewichtsreduktion
  10. Unsere Haltung zur Erstattungsfrage
  11. Was im Arztgespräch zur Sprache kommen kann
  12. Fazit
  13. Quellenverzeichnis

Warum Psoriasis und Adipositas häufig zusammen auftreten

Der Zusammenhang ist gut belegt. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse aus 16 Beobachtungsstudien und rund 2,1 Millionen Teilnehmenden, darunter 201.831 Menschen mit Psoriasis, fand eine Odds Ratio von 1,66 (95 % Konfidenzintervall 1,46 bis 1,89) für Adipositas bei Psoriasis (Armstrong et al., 2012). Dabei zeigte sich eine Abstufung nach Schweregrad: Bei leichter Psoriasis lag die Odds Ratio bei 1,46, bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis bei 2,23. Je ausgeprägter die Hauterkrankung, desto stärker der Zusammenhang mit dem Körpergewicht.

Diese Zahlen belegen eine Häufung, keine Ursache. Die eingeschlossenen Studien waren überwiegend Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien, die Heterogenität war mit einem I² von 98 % sehr hoch. Aus einer solchen Datenlage lässt sich nicht ableiten, was zuerst da war.

Für die biologische Erklärung gibt es dennoch ein plausibles Modell. Fettgewebe ist ein endokrines Organ, das Botenstoffe abgibt und an systemischer Entzündung beteiligt ist. Eine Übersichtsarbeit mit eigenen Laborexperimenten an Fettgewebe zeigte, dass TNF-alpha die Ausschüttung entzündungsfördernder Proteine deutlich steigert und gemeinsam mit Interleukin-17 synergistisch wirkt. Interleukin-17 senkte zugleich das entzündungshemmende Adiponektin (Di Caprio et al., 2024). Beide Erkrankungen können sich also gegenseitig verstärken, in beide Richtungen.

Klinisch relevant ist außerdem, dass ein höheres Körpergewicht mit einem schlechteren Ansprechen auf die Behandlung einhergeht. In einer prospektiven Kohorte mit 1.955 Patientinnen und Patienten sank die Chance auf eine vollständige Abheilung in Woche 12 pro BMI-Einheit messbar ab (Odds Ratio 0,92 für PASI 100, 95 % Konfidenzintervall 0,88 bis 0,95). In der Untergruppe unter Biologika war dieser Zusammenhang durchgehend nachweisbar (Xu et al., 2025). Eine Einschränkung nennen die Autorinnen und Autoren selbst: Die formalen Tests auf Wechselwirkung zwischen den Therapieformen wurden nicht signifikant, der Effekt war unter Biologika nur zahlenmäßig stärker ausgeprägt.

Was der PASI misst und was PASI 75, 90 und 100 bedeuten

Der PASI, ausgeschrieben Psoriasis Area and Severity Index, ist ein Punktwert für die Schwere einer Schuppenflechte. Ärztinnen und Ärzte beurteilen an Kopf, Rumpf, Armen und Beinen, wie viel Hautfläche betroffen ist und wie stark Rötung, Schuppung und Dicke der Herde ausfallen, und fassen das zu einer Zahl zusammen.

Die Angaben PASI 75, PASI 90 und PASI 100 beschreiben die Besserung gegenüber dem Ausgangswert, nicht den Zustand der Haut. PASI 75 steht für eine 75-prozentige Verbesserung, PASI 90 für eine 90-prozentige und PASI 100 für vollständig erscheinungsfreie Haut (del Alcázar Viladomiu et al., 2019).

Die deutsche S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris setzt PASI 75 als Mindestziel am Ende der Induktionstherapie fest. Angestrebt wird PASI 90 oder ein absoluter PASI unter 2 (Nast et al., 2025). PASI 100 ist damit ein anspruchsvoller Endpunkt, der über das Behandlungsziel der Leitlinie hinausgeht.

Wie die TOGETHER-PsO-Studie aufgebaut war

TOGETHER-PsO war eine randomisierte klinische Studie der Phase 3b an 72 Zentren in den USA (Lebwohl et al., 2026). Eingeschlossen wurden 274 Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis und gleichzeitigem Übergewicht oder Adipositas. Die Teilnehmenden wurden im Verhältnis 1 zu 1 auf zwei Gruppen verteilt:

  • Ixekizumab allein (136 Personen), ein Antikörper gegen Interleukin-17A, zugelassen zur Behandlung der Psoriasis
  • Ixekizumab plus Tirzepatid (138 Personen), zusätzlich also ein Wirkstoff zur Gewichtsreduktion

Alle Teilnehmenden erhielten unabhängig von der Gruppe eine Beratung zu Ernährung und Bewegung. Die Studie lief über 52 Wochen, der primäre Endpunkt wurde in Woche 36 erhoben. Er war bewusst zusammengesetzt: Gewertet wurde nur, wer gleichzeitig eine vollständig erscheinungsfreie Haut nach PASI 100 und mindestens 10 % Gewichtsverlust erreichte.

Ein Merkmal des Designs verdient besondere Beachtung: Die Studie war offen, also nicht verblindet. Teilnehmende und behandelndes Personal wussten, wer welche Behandlung bekam. Warum das zählt, steht weiter unten im Abschnitt zu den Grenzen der Studie.

Ergebnisse zu Hautbefund und Körpergewicht nach 36 Wochen

Beim primären Endpunkt fiel der Unterschied deutlich aus. 27,1 % der Kombinationsgruppe erreichten gleichzeitig PASI 100 und mindestens 10 % Gewichtsverlust, gegenüber 5,8 % unter Ixekizumab allein. Die Risikodifferenz betrug 21,2 Prozentpunkte bei einem p-Wert unter 0,001 (Lebwohl et al., 2026).

Diese Zahl beeindruckt, verdient aber eine nüchterne Lesart. Der Endpunkt verlangt zwei Dinge gleichzeitig, und eines davon ist der Gewichtsverlust. Dass eine Gruppe mit einem Medikament zur Gewichtsreduktion häufiger 10 % Gewicht verliert als eine Gruppe ohne dieses Medikament, ist die erwartete Wirkung des Wirkstoffs. Ein Großteil des Abstands beim kombinierten Endpunkt erklärt sich daraus.

Aussagekräftiger für die Frage nach der Haut ist deshalb der Blick auf PASI 100 allein. Hier erreichten 40,6 % der Kombinationsgruppe (56 von 138) eine vollständige Abheilung gegenüber 29,0 % unter Ixekizumab allein (39 von 136). Die Differenz beträgt 11,6 Prozentpunkte bei einem p-Wert von 0,04.

Dieser Unterschied ist real und statistisch signifikant, fällt aber deutlich kleiner aus als der beim kombinierten Endpunkt, und er liegt mit p = 0,04 nah an der üblichen Signifikanzgrenze. Wer nur die Schlagzeile mit den 27,1 % gegen 5,8 % liest, überschätzt den Effekt auf die Haut erheblich.

Nebenwirkungen der Kombination

Die zusätzliche Wirkung hat einen Preis, und der zeigt sich im Magen-Darm-Trakt. Die Häufigkeiten in der Kombinationsgruppe gegenüber Ixekizumab allein:

BeschwerdeKombinationIxekizumab allein
Übelkeit24,6 % (34 Personen)2,2 % (3 Personen)
Durchfall14,5 % (20 Personen)1,5 % (2 Personen)
Verstopfung13,0 % (18 Personen)0 %

Rund jede vierte Person unter der Kombination berichtete über Übelkeit, gegenüber etwa jeder fünfzigsten unter der alleinigen Psoriasistherapie. Das Muster entspricht dem, was von GLP-1- und GIP-basierten Wirkstoffen bekannt ist. Für die Abwägung im Einzelfall heißt das: Dem zusätzlichen Gewinn von 11,6 Prozentpunkten bei der Hautabheilung steht eine spürbar höhere Rate an Magen-Darm-Beschwerden gegenüber.

Wer die Studie finanziert hat

Die Studie wurde von Eli Lilly finanziert, dem Hersteller sowohl von Ixekizumab als auch von Tirzepatid. Das Unternehmen war an Design, Durchführung, Datenmanagement und am Manuskriptprozess beteiligt. Ein Vetorecht über die Publikationsentscheidung hatte der Sponsor nach Angaben der Publikation nicht (Lebwohl et al., 2026).

Fünf der Autorinnen und Autoren sind bei Eli Lilly beschäftigt oder halten Unternehmensanteile. Weitere erhielten Zuwendungen oder Honorare, teils während der Studiendurchführung.

Das entwertet die Ergebnisse nicht. Herstellerfinanzierung ist bei Zulassungsstudien die Regel, und die Studie wurde in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht. Es gehört jedoch zur vollständigen Einordnung dazu, weil das Unternehmen ein wirtschaftliches Interesse an beiden geprüften Wirkstoffen hat und die Studie eine Konstellation untersucht, in der beide gemeinsam eingesetzt werden.

Was die Studie nicht zeigt

Vier Grenzen sind für die Bewertung entscheidend.

Die Studie war offen. Alle Beteiligten wussten, wer Tirzepatid bekam. Der PASI wird ärztlich beurteilt, und eine Beurteilung kann durch das Wissen um die Behandlung beeinflusst werden, ohne dass dahinter eine Absicht stehen muss. Beim Körpergewicht wiegt das leicht, denn eine Waage lässt sich nicht überzeugen. Beim Hautbefund wiegt es schwer. Bei einem Unterschied von 11,6 Prozentpunkten mit p = 0,04 ist das eine ernsthafte Einschränkung.

Der Mechanismus bleibt offen. Die Studie beantwortet nicht, warum die Kombinationsgruppe häufiger abheilte. Denkbar ist, dass die Gewichtsabnahme die Entzündung dämpft. Denkbar ist ebenso eine direkte entzündungshemmende Wirkung des Wirkstoffs, unabhängig vom Gewicht. Um das zu trennen, hätte man Personen mit gleichem Gewichtsverlauf vergleichen müssen. Dieses Design hatte die Studie nicht.

Die Gruppe war klein und speziell. 274 Personen an US-Zentren, alle mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis und gleichzeitigem Übergewicht. Auf Menschen mit leichter Psoriasis, auf andere Psoriasistherapien oder auf die Versorgung in Deutschland lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragen.

36 Wochen sind kurz. Psoriasis ist eine chronische Erkrankung, und die Adipositastherapie ist auf Dauer angelegt. Was nach zwei oder fünf Jahren bleibt, ob der Effekt anhält und wie sich die Kombination langfristig auf Sicherheit und Gewichtsverlauf auswirkt, ist mit dieser Studie nicht beantwortet.

Einzuordnen ist die Studie zudem vor einem breiteren Hintergrund. Eine Metaanalyse aus 13 randomisierten Studien mit 1.145 Teilnehmenden zeigte, dass eine Gewichtsabnahme von im Mittel 6,7 kg den PASI messbar senkt und die Wahrscheinlichkeit für PASI 75 erhöht (Relatives Risiko 1,6, 95 % Konfidenzintervall 1,1 bis 2,2). Auch die Lebensqualität besserte sich (Morrow et al., 2026). Die Richtung des TOGETHER-PsO-Ergebnisses passt also zu dem, was aus Studien zu Ernährungsumstellung und Bewegung bereits bekannt war. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt Menschen mit Psoriasis und Adipositas bereits heute eine Gewichtsabnahme als unterstützende Maßnahme und verweist darauf, dass eine moderate Reduktion um 5 bis 10 % des Körpergewichts das Ansprechen auf systemische Behandlungen verbessern kann (Nast et al., 2025).

Warum der Verlust an Muskelmasse zur Sprache gehört

Eine im Juli 2026 im BMJ veröffentlichte Netzwerk-Metaanalyse wertete 262 randomisierte Studien mit 99.791 Teilnehmenden und 19 Wirkstoffen aus (Nong et al., 2026). Tirzepatid führte darin zur stärksten Reduktion der Fettmasse mit 25,7 %. Zugleich verzeichnete derselbe Wirkstoff den größten Verlust an magerer Masse mit 8,3 %.

Zur mageren Masse zählt die Muskulatur. Wer Gewicht verliert, verliert also Fett und Muskeln zugleich, und bei Tirzepatid fällt beides am deutlichsten aus. Für Menschen, die zusätzlich eine chronisch-entzündliche Erkrankung haben, ist der Erhalt der Muskelmasse ein Thema, das in die Behandlungsplanung gehört, insbesondere über längere Zeiträume. Eiweißzufuhr und Krafttraining sind dabei die üblichen Ansatzpunkte, die im Arztgespräch besprochen werden können.

Die BMJ-Analyse enthält einen weiteren Befund, der in der Berichterstattung oft untergeht: Kein einziger der untersuchten Wirkstoffe verbesserte die Lebensqualität in klinisch bedeutsamem Ausmaß. Einen belegten kardiovaskulären Nutzen zeigte allein subkutan verabreichtes Semaglutid. Die Autorinnen und Autoren weisen selbst darauf hin, dass die Nachbeobachtung überwiegend kurz war und die Evidenz für neuere Wirkstoffe dünn und wenig vertrauenswürdig ist.

Kostenübernahme bei Tirzepatid zur Gewichtsreduktion

Für Betroffene in Deutschland stellt sich nach solchen Studienergebnissen sofort die praktische Frage nach den Kosten. Die Antwort ist eindeutig und für viele ernüchternd.

Tirzepatid ist zur Gewichtsreduktion zugelassen, wird zu diesem Zweck von der gesetzlichen Krankenversicherung aber nicht bezahlt. Grundlage ist § 34 Abs. 1 SGB V. Dort sind Arzneimittel von der Versorgung ausgeschlossen, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht, ausdrücklich genannt sind Mittel zur Abmagerung, zur Zügelung des Appetits und zur Regulierung des Körpergewichts. Diese Regelung gilt materiell seit dem 1. Januar 2004.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Tirzepatid am 19. September 2024 entsprechend in Anlage II der Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen, also in die Liste der sogenannten Lifestyle-Arzneimittel (Gemeinsamer Bundesausschuss, 2024b). Für Semaglutid war das am 21. März 2024 geschehen (Gemeinsamer Bundesausschuss, 2024a).

Zwei Punkte werden dabei regelmäßig missverstanden.

Der Ausschluss gilt indikationsbezogen, nicht wirkstoffbezogen. Bei Typ-2-Diabetes bleibt Tirzepatid erstattungsfähig, weil dort eine andere Zulassung greift. Derselbe Wirkstoff, andere Indikation, andere Erstattung.

Der Krankheitswert der Adipositas spielt rechtlich keine Rolle. Der Gemeinsame Bundesausschuss hält in seinen Tragenden Gründen ausdrücklich fest, dass die Zuordnung zu den Lifestyle-Arzneimitteln nicht durch den Krankheitswert der zugrunde liegenden Indikation bestimmt wird. Der Ausschuss bestreitet also nicht, dass Adipositas eine Erkrankung ist. Nach der geltenden Rechtslage ist diese Frage für die Erstattung schlicht ohne Belang. Ein eigenes Ermessen hat der Ausschuss dabei nicht, denn der Ausschluss steht im Gesetz.

Wie weit das reicht, zeigt eine Entscheidung des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 28. April 2026. Eine 24-jährige Frau mit einer Hormonstörung und erheblichem Übergewicht sollte Mounjaro auf Empfehlung ihrer behandelnden Ärztin erhalten. Das Gericht bestätigte die Ablehnung durch die Krankenkasse und stellte fest, es gebe keinen Raum für eine Einzelfallbetrachtung, auch wenn behandelnde Ärztinnen das Medikament ausdrücklich empfehlen (Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 2026). Es handelt sich um eine Entscheidung im Eilverfahren, die im Eilrechtsweg nicht weiter anfechtbar ist. Das Hauptsacheverfahren bleibt davon unberührt. Eine höchstrichterliche Entscheidung des Bundessozialgerichts zu GLP-1-Medikamenten gibt es bislang nicht.

Wer eine Kombination wie in der TOGETHER-PsO-Studie erwägt, muss also wissen: Der Anteil der Psoriasistherapie ist bei entsprechender Indikation eine Kassenleistung. Der Anteil zur Gewichtsreduktion ist es nicht.

Unsere Haltung zur Erstattungsfrage

Der folgende Abschnitt gibt unsere Position wieder. Er ist kein Studienergebnis und keine Wiedergabe eines Fachkonsenses, und wir trennen das bewusst vom Rest des Artikels.

Wir halten den pauschalen Ausschluss in § 34 Abs. 1 SGB V für falsch und meinen, er gehört gestrichen. Bei jeder anderen Erkrankung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, welche Behandlung medizinisch notwendig ist. Genau dafür sind Ärztinnen und Ärzte ausgebildet. Bei der Adipositas nimmt das Gesetz ihnen diese Entscheidung ab, und zwar unabhängig von Diagnose, Schweregrad und Begleiterkrankungen. Das Landessozialgericht hat das in seiner Entscheidung offen ausgesprochen: Die ärztliche Empfehlung ändert nichts. Unsere Forderung ist deshalb keine Sonderregel für die Adipositas, sondern die Wiederherstellung der Regel, die überall sonst gilt.

Dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist, ist fachlich breit abgesichert. Die WHO führt sie im ICD-10 unter E66 und im ICD-11 unter 5B81 als eigenen Abschnitt. Eine internationale Kommission unter Beteiligung von 58 Fachleuten hat 2025 Kriterien für eine klinische Adipositas vorgelegt und definiert sie als chronische, systemische Erkrankung mit Funktionsstörungen von Geweben und Organen (Rubino et al., 2025).

Zur Redlichkeit gehören drei Gegenpunkte.

Die Fachgesellschaften gehen weniger weit als wir. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft fordert zwar ausdrücklich die Änderung des § 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V, hält eine medikamentöse Therapie aber dann für angezeigt, wenn multimodale Basismaßnahmen allein nicht erfolgreich sind oder bereits schwere Folgeerkrankungen vorliegen (Deutsche Adipositas-Gesellschaft, 2025). Die S3-Leitlinie Adipositas stuft die medikamentöse Therapie als Kann-Empfehlung ein (Deutsche Adipositas-Gesellschaft, 2024).

Die Kosteneffektivität ist wissenschaftlich umstritten. Eine vom US-amerikanischen NIH finanzierte Analyse kam auf 197.023 US-Dollar pro qualitätskorrigiertem Lebensjahr für Tirzepatid und 467.676 US-Dollar für Semaglutid und damit auf Werte weit oberhalb üblicher Schwellen (Hwang et al., 2025). Andere Auswertungen kommen zu deutlich günstigeren Ergebnissen. Wer eine Erstattung fordert, sollte diese Zahlen kennen und nicht verschweigen.

Häufig zitierte Aussagen halten der Prüfung nicht stand. Der Satz, der Bundestag habe Adipositas 2020 als Krankheit anerkannt, lässt sich am Text des damals beschlossenen Antrags nicht belegen. Beschlossen wurde eine Nationale Diabetes-Strategie mit der Forderung, eine multimodale Versorgung von Menschen mit Adipositas zulasten der Krankenkassen zu ermöglichen (Deutscher Bundestag, 2020). Ein förmlicher Anerkennungsakt findet sich dort nicht. Wir halten die Forderung für richtig und verzichten trotzdem auf dieses Argument.

Was im Arztgespräch zur Sprache kommen kann

Die folgenden Punkte sind Anregungen zur Vorbereitung, keine Empfehlungen. Was im Einzelfall sinnvoll ist, klärt das ärztliche Gespräch.

  • Wie schwer ist die Psoriasis aktuell, gemessen am PASI, und welches Behandlungsziel ist realistisch?
  • Bestehen weitere Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen? Bei Typ-2-Diabetes ändert sich die Erstattungslage grundlegend.
  • Welche Rolle spielen Ernährung und Bewegung in der aktuellen Behandlung, und gibt es unterstützende Angebote wie das strukturierte Behandlungsprogramm für Adipositas?
  • Wie lässt sich Muskelmasse während einer Gewichtsabnahme erhalten, etwa über Eiweißzufuhr und Krafttraining?
  • Welche Magen-Darm-Beschwerden sind zu erwarten und wie lässt sich damit umgehen?
  • Was kostet eine Behandlung, wenn sie privat getragen werden muss, und wie sieht die Perspektive über mehrere Jahre aus?

Fazit

Die TOGETHER-PsO-Studie beantwortet die Frage, ob sich zwei Ziele gleichzeitig erreichen lassen, mit einem klaren Ja: Unter der Kombination erreichten deutlich mehr Menschen sowohl eine erscheinungsfreie Haut als auch einen Gewichtsverlust von mindestens 10 %. Auf die Haut allein bezogen fällt der Vorteil mit 11,6 Prozentpunkten spürbar kleiner aus, und er stammt aus einer offenen Studie, in der die Beurteilenden die Zuordnung kannten.

Ob die Gewichtsabnahme die Psoriasis verbessert hat oder der Wirkstoff selbst entzündungshemmend wirkte, bleibt offen. Dass Gewichtsreduktion den Hautbefund günstig beeinflusst, war aus Studien zu Ernährung und Bewegung bereits bekannt und steht so auch in der deutschen Leitlinie. Insofern bestätigt die Studie eine bekannte Richtung mit einem neuen Mittel, und sie tut das zu dem Preis erheblich häufigerer Magen-Darm-Beschwerden.

Für Deutschland kommt eine Hürde hinzu, die keine medizinische ist: Der Anteil zur Gewichtsreduktion wird von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlt, unabhängig davon, was die behandelnde Ärztin für notwendig hält.

Über Dosiva

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Quellenverzeichnis

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  2. del Alcázar Viladomiu, E., Lamas Doménech, N., & Salleras Redonnet, M. (2019). Absolute versus relative Psoriasis Area and Severity Index in clinical practice. Actas Dermo-Sifiliográficas, 110(7), 606-610. https://doi.org/10.1016/j.adengl.2018.03.021
  3. Deutsche Adipositas-Gesellschaft. (2024). S3-Leitlinie Adipositas: Prävention und Therapie (Version 5.0, AWMF-Register-Nr. 050/001). Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001
  4. Deutsche Adipositas-Gesellschaft. (2025, 12. Juni). Positionspapier anlässlich der 21. Legislaturperiode: Bekämpfung der Adipositas muss zentrales gesundheitspolitisches Anliegen werden. https://adipositas-gesellschaft.de/wp-content/uploads/2025/10/12.06.2025-Positionspapier-21.-Legislaturperiode.pdf
  5. Deutscher Bundestag. (2020). Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Start einer Nationalen Diabetes-Strategie (Drucksache 19/20619). https://dserver.bundestag.de/btd/19/206/1920619.pdf
  6. Di Caprio, R., Nigro, E., Di Brizzi, E. V., Buononato, D., Mallardo, M., Tancredi, V., Daniele, A., & Balato, A. (2024). Exploring the link between psoriasis and adipose tissue: One amplifies the other. International Journal of Molecular Sciences, 25(24), 13435. https://doi.org/10.3390/ijms252413435
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